Editorial

Der Wilderer, der ist nicht mehr!

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Christian HEINZ Chefredakteur

So könnte der Nachruf auf das Bild des Wilderers mit Pfeil und Bogen lauten. Obwohl kein „vernünftiger“ Wildschütz in heutigen Zeiten jemals einen Bogen als Werkzeug für seine schändlichen Taten in fremden Revieren wählen würde, war dieses Bild doch lange Zeit in den Köpfen vieler Jäger eingebrannt. Mittlerweile hat sich diese Vorstellung bei den modernen, aufgeschlossenen Jägern gewandelt. In der nichtjagenden Bevölkerung war  der Bogenjäger positiv belegt, da dessen Zugang zur Jagd als fair und sportlich angesehen wurde. Hier war eher die romantische Verklärung a ́la Winnetou oder Robin Hood das Problem.

Die sogenannte „Lodenrock-Fraktion“ aber schlug jahrelang oft buchstäblich ein Kreuz, wenn sie dem Bild eines völlig in Tarnkleidung gewandeten „Gottseibeiuns“ mit Pfeil und Bogen auf Fotos oder Videos ansichtig wurde. Die Möglichkeit einer persönlichen Überprüfung dieser Vorurteile fehlte jedoch vielen dieser Jäger, da die einzige Informationsquelle oft nur „YouTube“-Videos aus Übersee waren. Und Hand auf‘s Herz: Vieles davon, was da gezeigt wird, ist wirklich nicht mit unseren jagdethischen Vorstel-lungen von Weidgerechtigkeit in Einklang zu bringen, Gleiches gilt aber auch für Videos mit Feuerwaffen.

Die Anzahl der Jäger im deutschsprachigen Raum, die neben Büchse und Flinte auch den Bogen zur Hand nehmen, ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Dadurch haben beinahe alle der oben angesprochenen schon die Gelegenheit gehabt, auch einmal persönlich das eine oder andere Wort mit einem europäi- schen Bogenjäger zu wechseln oder konnten sich auf einer Messe, wie etwa der Hohen Jagd in Salzburg informieren.

Von den Bogenjagdverbänden, deren Mitgliederzahlen in allen Ländern ebenfalls gestiegen sind, werden Informationsveranstaltungen angeboten. Die Jagdindustrie hat diese Jagdart in Mitteleuropa als potentielle Einnahmequelle entdeckt.

Auch DER BOGENJÄGER ist nicht mehr das einzige Magazin am etablierten Markt, in dem regelmäßig Artikel über die Jagd mit Pfeil und Bogen einem breiten Publikum dargeboten werden.

Die Legalisierung der Bogenjagd in immer mehr Ländern Europas, zuletzt im wallonischen Teil Belgiens, in Finnland und Dänemark trägt dieser Erkenntnis ebenfalls Rechnung. Tendenz steigend – in der Slowakei gibt es gute Hoffnung, dass die bereits in Jagdgattern erlaubte Bogenjagd auf das gesamte Staatsgebiet ausgeweitet wird, und auch in der Tschechien macht man sich begründete Hoffnungen in nächster Zukunft mit dem Bogen auf die Jagd zu gehen.

In Jungjägerkursen wird vielerorts nun auch auf diese spezielle Methode der Jagd eingegangen. Selbst honorige Jagdfunktionäre bis hinauf in die Landesjagdverbände tragen ihren BOGENJÄGER-Pin stolz am Hut oder Kragen und nicht mehr verdeckt unter dem Revers.

Das ist nun aber auch Auftrag an alle deutschsprachigen Jäger, die die Jagd mit Pfeil und Bogen im Ausland praktizieren, hier noch strenger mit sich selbst zu sein, um Positives im Sinne der Jagdtraditionen des deutschsprachigen Raums sowie weid- männisches Handeln an den Tag zu legen, egal ob man beobachtet wird oder nicht!

Waidmannsheil

             Christian HEINZ